Offener Brief des Jugendamtelternbeirats der Stadt Dortmund zur öffentlichen Diskussion über die Impfpriorisierung der Erzieher*innen und Tageseltern.

Sehr geehrter Herr Stamp,
sehr geehrter Herr Laschet,
sehr geehrter Herr Laumann,


seit geraumer Zeit ist in den Medien zu vernehmen, dass die Rufe nach einer neuen Impfstrategie immer lauter werden. Insbesondere die Tatsache welche Priorität Erzieherinnen und Erzieher sowie Tageseltern genießen, stößt auch beim Jugendamtselternbeirat der Stadt Dortmund auf Unverständnis.


Der Grund besteht darin, dass Wir Eltern vor der schwierigen Entscheidung stehen, ob und wann wir unsere Kinder in die Betreuung schicken.

Hierbei leisten die Erzieherinnen und Tageseltern hervorragende Arbeit und vermitteln den Kindern trotz der vielen Einschränkungen ein hohes Maß an Normalität, obwohl das Arbeiten in diesem „Risikobereich“ vermutlich alles andere als leicht ist. Dafür sind wir sehr dankbar. Mit Unverständnis haben wir wahrgenommen, dass Erzieherinnen sowie Tageseltern (u. a. gleichgestellt mit Lehrerinnen, die mit mehr Distanz, Masken und ohne körperhygienische Aufgaben wie Wickeln arbeiten) an dritter Stelle, vermutlich also irgendwann Mitte des Jahres, geimpft werden können bzw. sollen. Gerade Erzieherinnen und Tageseltern haben wie die Lehrer ein erhöhtes Ansteckungsrisiko, da in der täglichen Arbeit und bei engem Kontakt zu den Kindern an Abstandsregeln nicht zu denken ist. Auch das Tragen von FFP2-Masken o. ä. ist in diesem Bereich nicht möglich, da die Kinder stark auf Mimik u. ä. angewiesen sind.

Von den viel zitierten „AHA-L Regeln“ fallen somit die beiden „A’s“ (Abstand und Alltagsmasken) weg.

Somit stellen Erzieherinnen in Kitas und die Tageseltern voraussichtlich die einzigen Berufsgruppen in Deutschland dar, die in Zeiten der Pandemie in so engem Kontakt zu anderen Menschen ohne voll umfängliche Schutzmaßnahmen arbeiten. Dies würde durch die aktuelle Priorisierung dann auch noch lange so bleiben. Dabei würde die Impfung sowohl die Erzieherinnen und Tageseltern als auch unsere Kinder besser schützen.


Der eingeschränkte Regelbetrieb der uns aus pädagogischer Perspektive oder auch in Hinblick auf die zurzeit besonders schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein gewisses Maß an Normalität ermöglicht, ist auf die derzeitige Impfpriorisierung nicht durchdacht. Neben Appellen der Landesregierung, dass Eltern ihre Kinder nach Möglichkeit zu Hause betreuen sollen, sollte die
Landes- und Bundesregierung hier unserer Meinung nach dafür sorgen, dass die „ungeschützt“ arbeitenden Erzieherinnen und Tageseltern so früh wie möglich die Chance bekommen einen Impfschutz gegen das Coronavirus zu erhalten. Ein Beispiel zeigt uns aktuell der Fall der durch die Medien ging, bei dem es zum Ausbruch in einer Kita in Freiburg mit dem Mutierten Virus gab. Solche Meldungen, Schließungen der Einrichtungen und die Verbreitung des Virus können nur durch ein schnelles Handeln eingedämmt werden.

Demzufolge stellt die aktuelle Situation im „eingeschränkten Pandemiebetrieb“ ein Dilemma dar. Niemand weiß so recht wo wir uns aktuell und perspektivisch in der Pandemielage befinden. Wir als Eltern fragen uns, wann der eingeschränkte Pandemiebetrieb wieder gelockert wird oder wann wir wieder mit Zuversicht zur Arbeit gehen können und unseren Arbeitgebern verbindliche Zusagen geben können. Darüber hinaus bekommen viele Eltern das Gefühl, dass die Kinder welche naturgemäß unsere Zukunft bestimmen und bilden, hintenan stehen. Deshalb muss der Betreuungsapparat aufrecht erhalten bleiben, denn nur so können wir alle langfristig davon profitieren. Wir möchten aber auch an dieser Stelle kritisch hinterfragen in wieweit sich die Bundes- und Landesregierung in Zusammenarbeit mit den (deutschen) Herstellern auf die Produktion des Impfstoffes hätte besser vorbereiten können. Wir erwarten an dieser Stelle eine Antwort auf dieses bereits von Erzieherinnen, Politikern, Eltern und Gewerkschaften aufgegriffene Thema. Wir wollen uns mit diesem offenen Brief solidarisch für die Erzieher*innen sowie den Tageseltern zeigen und uns für einen adäquaten, kindgerechten Schutz vor dem Corona-Virus stark machen.

Mit freundlichen Grüßen

Der Jugendamtselternbeirat Dortmund